Sobald etwas im Leben nicht so läuft, wie man es gerne hätte, wird zu allererst nicht versucht das Problem zu lösen, sondern es bedarf auf jeden Fall einen Schuldigen! Ganz wichtig! Erst dann, weiß man wer den ganzen Schlamassel ausgelöst hat und auf wen man nun unnötig lange mit dem Finger zeigen kann.

Dabei ist es leider absolut irrelevant ob man einen Blick in die Politik – National oder International – wirft, sich im beruflichen Umfeld umsieht oder aber auch mal im privaten Freundes- und Familienkreis kritisch betrachtet. Selten wird in erster Linie lösungsorientiert gedacht und gehandelt. Denn was nützt einen die Lösung, wenn wir doch auch wissen wollen wer überhaupt Schuld hat? Wer oder was der Auslöser war und auf wen oder was man mit dem Finger zeigen kann?

Im beruflichen Umfeld kann ich es bis zu einem gewissen Grad noch verstehen. Gerade in meiner Position und Branche ist es nicht selten der Fall, dass man „Opfer“ von Ereignissen wird und mit diesen erst einmal zurecht kommen muss. Womöglich auch noch auf wirtschaftlicher – also finanzieller Ebene – dadurch Einbußen oder gar Ausfälle verzeichnen muss. Wie so oft im Leben, gibt es auch in der IT keine 100%. Kein System, Anbieter, Dienstleister oder Prozess ist zu 100% ausfallsicher und erst recht nicht, wenn an jeder Ecke der Fehlerfaktor Mensch sitzt. Das gehört dazu – sehr salopp formuliert. Aber manchmal passieren solche Fehler, egal ob nun in der IT oder sonst wo, nunmal genau dann und dort, wo man es am allerwenigsten gebrauchen kann. Im absoluten schlimmsten Fall steht man nun auch noch vor der Situation, dass dieser Fehler eine Menge Geld kostet und einen wirtschaftlichen Ruin bedeuten kann. Natürlich, dies ist der absolut schlimmste Fall, aber es kann vorkommen. Denken wir nur einmal an jene heimatlosen Menschen, die auf Grund einer Unternehmensinsolvenz plötzlich nichts mehr haben. Weder Geld (weil dieses erst in einigen Monaten ausbezahlt werden kann), noch Job, noch Perspektive und vielleicht obendrein auch noch keine Familie.

Ist in einer solchen Situation auch nur irgendjemanden geholfen, wenn man zu aller erst sich auf die Suche nach dem Verursacher begibt? Wenn man Zeit, Geld, Ressourcen und Energie dafür aufbringt, festzustellen, wer die Gerölllawine ins Rollen gebracht hat? Ändert es denn irgendetwas an der Situation, in der man gerade ist?

Ich stelle mir vor, wenn ich das nächste Mal einen auf der Straße lebenden Menschen begegne, ihn nicht im ersten Schritt mit ein paar Euro auszuhelfen versuche, sondern die viel, viel wichtigere Frage zu klären „Warum ist es soweit gekommen? Wer war an all dem schuld?“ Immerhin weiß der/diejenige dann, wem sie an ihrer Situation die Schuld geben können. Ein Dach über den Kopf oder eine warme Mahlzeit zaubert diese Erkenntnis allerdings nicht herbei. Und doch ist diese Frage – subjektiv – immer die Erste, die gestellt wird und mit der man sich beschäftigt.

Natürlich sollte über kurz oder lang der Ursache eines Problems auf den Grund gegangen werden. Nur Symptome zu beheben hilft auf lange Sicht auch nicht, das ist klar. Selbstverständlich ist es auch wichtig zu fragen „Warum, wie und wann“ etwas passiert ist. Ähnlich wie es auch in der Medizin der Fall ist. Die Symptome zu lindern ist für den Moment sicherlich hilfreich und auch erleichternd, die Krankheit wird es allerdings nicht beheben. Hierzu muss schon eine Gewissheit vorhanden sein, was es überhaupt ist, wo es herkommt und was man dagegen tun kann.

Die Reihenfolge macht jedoch den Unterschied! Wenn ich mit Schmerzen im Krankenhaus eintreffe, möchte ich zu aller erst einmal, dass die Schmerzen weniger werden. Dann kann man sich in Ruhe darum kümmern wo sie überhaupt herkommen und wie man sie gänzlich weg bekommt. Und ähnlich sollte es eigentlich auch bei allen anderen Dingen sein. Der / die Schuldige läuft mir nicht davon und ist nach erster „Behandlung“ meist auch noch da um den erhobenen Zeigefinger und die Moralpredigt abzubekommen.

Wie heißt es so schön bei einem Problem? Nicht die Panik bekommen und erst einmal tief durchatmen.

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