Kleide Dich stets für die Position die Du willst – nicht für die, die Du schon hast.“ (Modedesigner Giorgio Armani)

Bereits in jungen Jahren, bei den ersten Ferienjobs, hat man diesen Satz in der oder ähnlicher Variante gehört. Einige vielleicht auch in Schule und / oder Uni. Wir wurden und werden schon früh getrimmt darauf, wer Anzug und Krawatte trägt ist professionell, kompetent und auf jeden Fall beruflich erfolgreich. Nur das kleinste Licht in einem Unternehmen trägt eine legere Jean und ein T-Shirt.

Oder etwa nicht?

Ich habe nun schon einige Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel und konnte tatsächlich in sehr vielen Unternehmensformen und auch Branchen mir ein Bild von der Lage machen, um zu dem Entschluss zu kommen: So wie es hier steht, kann ich es nicht unterschreiben!

Wie steht es um die „legeren“ Chefs, die mit T-Shirt und Jean im Büro sind. Wie steht es um den „Supportler“ der grad nicht im Anzug zur Arbeit kommt und aber seine Stelle liebt? Das Sprichwort kann mit zwei Argumenten sehr schnell ausgehebelt werden.
Zum Einen ist es definitiv Branchen abhängig. In einer Bank zum Beispiel wird das kleinste Licht im Unternehmen so gut wie täglich mit Anzug zur Arbeit kommen. Hingegen in einem „offeneren“ Unternehmen, wie in der IT vermutlich sogar der Geschäftsführer mit kurzer Hose und T-Shirt im Sommer im Büro erscheint.
Zum Anderen stellt sich hierbei noch eine andere Frage: Weiß wirklich jeder Angestellte wohin er beruflich überhaupt möchte? Welche Position er in – sagen wir mal – 10 Jahren haben möchte?

Das trifft vielleicht auf einige ältere Semester zu, die einen ziemlich klaren und direkten Plan von ihrem Leben und ihrer Karriere haben. Aber unsereins? Bei den jüngeren Generationen sieht diese Zielstrebigkeit schon gänzlich anders aus und teilweise auch mit gutem Recht.

Ich für meinen Teil kann es nicht sagen – oder anders formuliert – mir ist es nicht derartig wichtig an „oberen“ Positionen in einem Unternehmen zu sitzen, als das ich daran wirklich verbissen und aktiv arbeiten würde. Ich kann auch ganz gut in meiner aktuellen Position als „nur“ Projektmanager leben. Da ist es mir wesentlich wichtiger, dass ich noch genügend Zeit für meine Familie habe, mein eigenes Leben und vor allem auch, nicht 9h am Tag im Büro sitzen muss, mit Kleidung die womöglich auch noch unbequem ist auf Dauer, nur weil man Eindruck schinden will. (Abgesehen davon, dass das ohnehin nur meine direkten Kollegen mitbekommen würden und nicht jene Entscheidungsträger in den oberen Hierarchien)

Wie also verhält sich das „gute alte“ Sprichwort in der heutigen Zeit? Es ist von gesellschaftlichem Wandel die Rede – ganz stark auch im beruflichen Umfeld (Stichwort: Work / Life Balance) – warum also klammert sich genau diese Gesellschaft nach wie vor an derartige Sprichwörter fest?

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